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Jüngster Eintrag in unserer Rubrik „Aktuelles”

26. September 2015DCS-Instrumentenstipendien zu vergeben!

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Deutsche Clavichord Societät e.V.

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Aktuelle Nachrichten
für Mitglieder und Clavichordfreunde

Liebe Clavichordfreunde,

Die Clavichordtage im kalendarisch herbstlichen aber klimatisch sonnig-sommerlichen Trier liegen hinter uns – eine lange Reihe schöner Erinnerungen an grandiose Konzerte und wunderbare Instrumente, zum Klingen gebracht von Mathieu Dupouy, Diez Eichler, Anne Galowich, Josef Still und Veit-Jacob Walter. Bereits im Jahr 2013 waren wir, als Exkursion von Schweich aus, zu einem Orgelkonzert in der barocken Welschnonnenkirche mit ihrer historischen Stumm-Orgel von 1757 zu Gast, nun beherbergte sie uns für das lange Wochenende vom 22. – 25. September.

Mathieu Dupouy spielte gleich zwei Konzerte, zur Eröffnung und zum Abschluss, unter der Überschrift “Musik aus England”. Am Donnerstag erklangen Werke von Händel, Johann Christian Bach und Beethoven („Rule Britannia“-Variationen) auf einem Clavichord nach Friederici (gebaut von Martin Kather) und einem Clementi-Tafelklavier (1810) aus der Sammlung Hansjosten. Am Sonntag konnten wir eine Auswahl von – teilweise hochvirtuosen – Stücken aus dem Fitzwilliam Virginal Book hören, gespielt auf zwei „frühen“ Clavichorden (nach Leipzig Nr. 1 von Volker Platte und nach Praetorius von Matin Kather). Insbesondere nach diesem letzten Konzert fragte man sich, warum diese Musik sonst nur äußerst selten auf Clavichorden vorgestellt wird.

Der Freitag wurde zum DiezTag – Diez Eichler hatte gleich zwei umfangreiche Programme an diesem Tag, einen Vortrag „Vom Hexachord zum Modus – das musikalische Grundverständnis des 16. und 17. Jh.“ und ein Clavichordkonzert zum 400. Geburtstag von Johann Jacob Froberger, in dem er sich in vielfältiger und höchst ansprechender Weise der bei Froberger häufig anzutreffenden Vortragsbezeichnung „avec discrétion“ näherte, unterstützt durch reichhaltiges Quellenmaterial. Am Abend war Domorganist Josef Still mit einer Auswahl selten oder nie zu hörender Barockmusik auf der Stumm-Orgel zu hören, bevor wir dann die Gelegenheit hatten, ihn zum Dom zu begleiten – zu einem weiteren Jubiläumskonzert mit Werken von Max Reger, höchst nuancenreich vorgetragen von „nahezu unhörbar“ bis zum donnernden Finale der berühmten Morgenstern-Fantasie. Aber selbst damit war der Tag noch nicht beendet, hatten wir doch nach dem Konzert die Möglichkeit, mit dem Organisten bei reichlich fließendem Freibier aus der – man möchte fast schreiben: Reger-Brauerei, es ist aber die – Gambrinus-Brauerei aus Weiden in der Oberpfalz anzustoßen. Der Besuch des Reger-Konzerts war allerdings die „Zugangsvoraussetzung“ zum Freibier, was für einige Clavichordisten eher dem Gang durchs Fegefeuer darstellte, wodurch erst die himmlischen Freuden des Bierfasses zugänglich wurden.

Am Samstagnachmittag warf uns das Programm um fünf Jahrhunderte zurück – in ein Konzert, in dem Veit-Jacob Walter uns mit spätmittelalterlicher Musik aus Italien vertraut machte, meisterhaft gespielt auf einem spätmittelalterlichen Clavichord (Pierre Verbeek), einem Clavisymbalum und einer Organo Portativo (beide Instrumente von Gregor Bergmann). Zuvor, am Samstagvormittag, lud Heiko Hansjosten ein zur Führung durch seine (und die seines Bruders Ralf) Sammlung historischer Tasteninstrumente ins barocke Küsterhaus nach Föhren.

„Yin & Yang” war das Motto von Anne Galowichs Abendkonzert, in dem sie Musik aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach (Früh-Fassung der Partita Nr. 3, aber auch kleinere Tanzsätze) mit Musik aus Frankreich und Norddeutschland bzw. den Niederlanden kontrastierte, stürmisch bewegt, mit größter Vehemenz gespielt auf zwei Specken-Kopien von Joris Potvlieghe. Anne durfte erst nach zwei Zugaben den tobenden, bis zum letzten Platz ausverkauften Saal verlassen.

Wie bei allen vorherigen Clavichordtagen hatten wir auch in diesem Jahr wieder eine Vielzahl von Instrumenten in der begleitenden Ausstellung, von der Rekonstruktion eines spätmittelalterlichen Clavichords bis hin zu einem Originalinstrument von ca. 1830/40 aus der Sammlung Hansjosten. Sigrun Stephan war es wieder einmal mit nur einem Minimum an Vorbereitungszeit (einfach, weil es eigentlich bis zum Festivalbeginn nicht ganz klar ist, welche Instrumente schließlich mitgebracht werden) gelungen, für alle Instrumente ein passendes Musikstück auszuwählen. Nachdem die Clavichordbauer ihre Instrumente vorgestellt hatten, wurden diese dann jeweils von Sigrun auf musikalische Weise meisterlich präsentiert.

In der Wahl zum Vorstand am Freitag, dem 23. September, trat ich, nach etwas mehr als 10 Jahren im Vorstand der DCS, nicht mehr für das Präsidentenamt an. Diese Entscheidung hatte ich mir nicht leicht gemacht, letztlich war sie allerdings aufgrund der immer weiter gewachsenen Verantwortung und Arbeitsbelastung in meinem (Haupt-)Beruf unumgänglich.

Dr. Guido Sold, langjähriges DCS-Mitglied und ausgezeichneter Kenner auf dem weiten Feld der Musikgeschichte, wurde zu meinem Nachfolger gewählt, und ihm gilt mein herzlicher Wunsch „Gutes Gelingen“!


Zum Beschluss

Nun ist es für mich an der Zeit, Dank zu sagen, zunächst einmal den ehemaligen Kollegen im Vorstand Dorothea Machnitzke, Heiko Hansjosten und Hartmut Schlums, dass sie es so lange mit mir ausgehalten haben. Dann natürlich den treuen Besuchern unserer Clavichordtage, die ich mit atemberaubender Regelmäßigkeit Jahr für Jahr – und oft auch zweimal pro Jahr – begrüßen durfte. Ebenso gilt mein Dank der gesamten Mitgliederschaft der DCS, ohne deren Unterstützung dieser Verein schlechterdings nicht existieren könnte. All den zahllosen Künstlern gilt mein Dank, die während nunmehr nahezu einem Vierteljahrhundert unsere Clavichordtage gestalteten, mit Musik vom Mittelalter bis zur Gegenwart, nicht nur auf Clavichorden, sondern auf nahezu allen Komponenten des „Spektrums Clavier“. Die Liste der Namen würde jeden Rahmen sprengen. Aber jedem einzelnen gilt mein Dank.

Ganz herzlich möchte ich schließlich unseren Clavichordbauern danken, die für jedes dieser Wochenenden lange, strapaziöse An- und Abreisen auf sich nehmen und mit Autos und Kleintransportern voller prachtvoller Instrumente quer durch die Lande reisen, um uns mindestens einmal pro Jahr, oft aber auch zweimal, die unvergleichlich-kostbare Gelegenheit zu geben, eine Vielzahl unterschiedlicher Meisterwerke des Clavichordbaus nicht nur zu sehen und zu hören, sondern auch selbst spielen zu können. Hier ist die Liste der Namen kürzer, zumindest, wenn ich mich auf die immer wiederkehrenden Aussteller beschränke, und so wage ich einen Versuch – in alphabetischer Reihenfolge:

Gregor Bergmann, Benedikt Claas, Andreas Hermert, Martin Kather, Volker Platte, Joris Potvlieghe, Sander Ruys, Burkhard Zander: Euer Engagement und Eure Instrumente sind tragende Säulen unserer Clavichordtage und der DCS insgesamt. Herzlichen Dank!

Auf die nächsten Clavichordtage freut sich, nun aus dem DCS-Ruhestand grüßend,

Thomas Bregenzer

01. Oktober 2016




Die Deutsche Clavichord Societät und ihr Jubiläumsjahr wurden 2013 im Deutschlandfunk in einer knapp einstündigen Reportage ausführlich dokumentiert.

Pressetext zum DCS-Beitrag im Deutschlandfunk

Als der Lyriker Johann Heinrich Voß 1786 in der Elegie „Die Sängerin” gleich in der ersten Zeile „des Klaviers schmachtenden Silberton” heraufbeschwor, da stand ihm vermutlich noch jenes Tasteninstrument vor Augen, das zu Beginn des Jahrhunderts der Hamburger Musikpublizist Johann Mattheson seinem galanten Publikum als „delicat” ans Herz gelegt hatte: das Clavichord. So empfindsam dieses sanft tönende Instrument reagiert, wenn die Tasten seine Saitenchöre über Tangenten in Schwingung versetzen, so dezent hat es sich heute im Zuge der Originalklangbewegung wieder im Konzert der historischen Instrumente neben Orgel, Cembalo und Hammerflügel positioniert. Eine eher kleine, aber umso enthusiastischere Schar von Musikern, Instrumentenbauern, Wissenschaftlern und fachkundigen Laien ist es denn auch, die sich zweimal jährlich zu den Clavichord-Tagen der ‚Deutschen Clavichord Societät‘ einfindet. Deren Blick richtet sich durchaus auf das ganze historische „Spektrum Clavier” – so das Motto des Treffens Ende April im Moselstädtchen Schweich. Und daher geht es auch in der „Musikszene” nicht nur um das Clavichord, sondern ebenso um eine stattliche Schweicher Privatsammlung mit vielen weiteren alten Tasteninstrumenten – und um die kontrastreich kräftig klingenden Orgeln, die im 18. Jahrhundert von den Brüdern Stumm im nahen Hunsrück gebaut wurden.

Sicherlich haben viele DCS-Mitglieder die Sendung live verfolgt oder die Möglichkeit genutzt, sie sich digital zum Nachhören aufzuzeichnen. Aus urheberrechtlichen Gründen dürfen wir hier auf der DCS-Website leider keine Tondatei der Sendung zur Verfügung stellen.
Wir bedanken uns jedoch bei Herrn Heyder und dem Sender für die freundliche Genehmigung zur Bereitstellung des kompletten Sendemanuskripts, das Sie hier als PDF-Datei herunterladen können:

Heyder_MZ_130729_Clavichord.pdf (ca. 160 KB)



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